BMFSFJ Studie: Mehrheit der Trennungseltern wünscht sich Doppelresidenz

Getrennt leben – gemeinsam erziehen: Politische Weichenstellungen zum gesellschaftlichen Leitbild der Doppelresidenz

Nur 1/3 der getrennt lebenden Eltern sind mit den getroffenen Betreuungsarrangements zufrieden, mehr als die Hälfte wünscht sich eine gleichberechtigte und gleich verantwortliche Elternschaft nach einer Trennung, so die Ergebnisse einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des SPD geführten BMFSFJ.

Die SPD hatte sich zuletzt gegen die Grundannahme gemeinsamer Elternschaft nach einer Trennung gestellt und wollte nur in Hinsicht auf den BGH Beschluss nachbessern. In Bezug auf die klare familienpolitische Position der FDP welche mit Wahlerfolgen einhergeht, scheint man nun kalte Füße zu bekommen.

Bundesfamilienministerin Dr. Katarina Barley (SPD) gab im Rahmen der Veranstaltung „Gemeinsam getrennt erziehen – Wunsch und Wirklichkeit von Trennungsfamilien“ am 11. Juli 2017 in Berlin den Startschuss in Richtung gemeinsamer Elternverantwortung auch nach einer Trennung, um die lange überholten gesetzlichen Regelungen der Lebenswirklichkeit getrennter Eltern und deren Kinder anzupassen.

Anspruch und Wirklichkeit von Eltern, die sich gemeinsam um Beruf und Familie kümmern wollen, klaffen in Deutschland noch weit auseinander. Bisher lag der politische Fokus ausschließlich auf zusammenlebenden Familien, um Müttern bessere Chancen im Beruf und Vätern mehr Zeit in der Familie zu ermöglichen. Nach einer Trennung erfolgte aufgrund der bestehenden gesetzlichen Regelungen jedoch in der Regel eine „Rolle rückwärts“ in das überholte Rollenverständnis der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts nach dem Motto „einer betreut, einer zahlt“. Dies soll sich nun ändern.

Bundesfamilienministerin Dr. Katarina Barley brachte es im Rahmen der Veranstaltung auf den Punkt: „Moderne Familien wünschen sich Partnerschaftlichkeit. Auch getrennte Eltern.“

Hierzu sollen nun die politischen und rechtlichen Weichenstellungen getroffen werden. Die Sprecherin des Bündnisses doppelresidenz.org, Cornelia Spachtholz, ergänzte dazu: „Partnerschaftlichkeit sollte in Familien Anspruch und Ziel von Anfang an und im gesamten Lebensverlauf sein und gesellschaftlich und politisch unterstützt werden. Die gemeinsame Verantwortung als Eltern besteht auch nach einer Trennung als Paar fort und die Herausforderungen einer Trennung, die Begleitung unserer Kinder, lassen sich gemeinsam als Eltern-Team besser bewältigen als allein.“

Sehr deutlich wurde auch darauf hingewiesen, dass getrennte Eltern auf dem Weg zu diesem Eltern-Team noch mehr und deutlich andere Unterstützung als bisher brauchen. Das bisherige System trägt eher zu Eskalationen bei, als das es befriedet, wie u.a. Richter a.D. Jürgen Rudolph in seinem Vortrag ausführte. So gab es auch einen breiten Konsens, dass Beratung und Unterstützung von Eltern und Kindern stärker in den Vordergrund gestellt werden sollten.

Pressemeldung des BMFSFJ: Gemeinsam getrennt erziehen? Wunsch und Wirklichkeit von Trennungsfamilien

Kernergebnisse der Studie Getrennt gemeinsam erziehen: www.ifd-allensbach.de/fileadmin/IfD/sonstige_pdfs/Gemeinsam_erziehen_Kernergebnisse.pdf