Ehe für Alle oder Eltern für Alle?

Der Väteraufbruch für Kinder Kreisverein Köln e.V. sieht in der "Ehe für alle“ einen großen Schritt in der Debatte um Gleichberechtigung. „Es ist lange überfällig, dass alle Paare gleiche Rechte haben“, sagt Hartmut Wolters (51, verh., 4 Kinder), Vorsitzender des Vereins. Die Gleichstellung aller Formen von Partnerschaften hat Auswirkungen auf Kinder, die auch diesmal missachtet wurden.

Kinder haben ein Grundrecht auf Kenntnis der Herkunft ab Geburt, das bis heute nicht umgesetzt ist. Es kann nicht sein, dass Kinder, die in einer Adoptivfamilie leben, ihr Grundrecht auf Kenntnis ihrer Herkunft ab Geburt nicht wahrnehmen können. Sie kennen in der Regel ihre leiblichen Eltern nicht und werden meist auch daran gehindert, sie kennen zu lernen. Unser Standpunkt ist, dass sie dieses Grundrecht von Geburt an ausüben dürfen, da sie es nicht selber ausüben können, muss der Staat dafür Sorge tragen, dass die Herkunftsfamilie den Kindern von Geburt an bekannt und vertraut ist und Adoptivkinder eine Beziehung zu der Herkunftsfamilie aufbauen bzw. erhalten können.

Das gleiche gilt für Pflegefamilien. Angela Merkel war zu Besuch bei einem lesbischen Paar mit acht Pflegekindern. „In der Regel, so die gängige Praxis, werden Geschwisterkinder voneinander getrennt“, führt Wolters aus. Wenn also ein Paar 8 Pflegekinder hat, dann haben diese 8 Pflegekinder vermutlich 8 Väter und 8 Mütter. Ein lesbisches Paar und deren Pflegekinder werden von Angela Merkel als glücklich betrachtet. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite stehen 16 Erwachsene, die höchstwahrscheinlich verzweifelt sind über die Situation ihrer Kinder. Nicht weil das Kind bei einem lesbischen Paar lebt, sondern weil es nicht bei Mama und Papa leben darf. 16 unglückliche Erwachsene nehmen SPD, Linke, Grüne und ein viertel der CDU/CSU Abgeordneten unbewusst zum Anlass, homosexuellen Lebensgemeinschaften im Hau-Ruck-Verfahren den Zugang zum Adoptionsrecht zu geben.

„In meinem Bekanntenkreis“, so Wolters, „gibt es eine Familie, die einen Jungen adoptiert haben. Der Junge kennt seine leiblichen Eltern und seine Schwester und pflegt auch regelmäßigen Kontakt zu seiner Herkunftsfamilie. Natürlich nennt er seine Adoptiveltern Mama und Papa, aber er weiß, von wem er abstammt und hat auch eine natürliche Bindung und Beziehung zu seiner Abstammung“.

Eine verheiratete Mutter kann ihr Kind ohne Wissen und auch gegen den erklärten Willen des Ehemannes abtreiben oder vertraulich entbinden. Eine unverheiratete Mutter kann darüber hinaus ihr Kind auch ohne vertrauliche Entbindung zur Adoption freigeben – selbst gegen den erklärten Willen des leiblichen Vaters. Ob gemeinsame Betreuung nach der Trennung der leiblichen Eltern dem Kindeswohl dienen, wird absurderweise zurzeit in einer umstrittenen Studie ermittelt. Dass Vaterlosigkeit dem Kind erheblich schadet, ist wissenschaftlicher Konsens. Dennoch wird ein Gesetz, das wissenschaftlichem Konsens widerspricht, durchgeprügelt, während eine Resolution vom Europarat, der sich für die gemeinsame Betreuung beider Eltern auch nach der Trennung ausgesprochen hat, in der deutschen Politik blockiert wird.

Wir haben nichts gegen Adoption, wir stellen uns aber gegen die gängige Praxis, dass bei Pille danach, Abtreibung, vertraulicher Geburt, Adoption, Babyklappen und sogenannten „alleinerziehenden“ Müttern der Vater unsichtbar gemacht und nicht als Ressource für das Kind begriffen wird. „Ich bin mir nicht sicher, ob ein homosexuelles Ehepaar glücklich ist über die Adoption, wenn sie erfahren, dass das adoptierte Kind ein Wunschkind seines Vaters gewesen ist und diesem mit staatlicher Macht entzogen wurde“, endet Wolters.