Kindergarten und Schule

Halten wir mal eins fest, Väter vermissen ihre Kinder. Das zeigt mir der Beratungsalltag seit acht Jahren. Während eine Mutter nach einer Trennung in allen Bereichen des kindlichen Lebens völlig selbstverständlich ein und aus geht, muss der Vater mit Blockaden auf allen Ebenen rechnen. Wer das nicht erlebt hat, kann es nicht nachvollziehen.

Da war zuletzt der Vater, der seinen Sohn beim Fußballspielen anfeuern wollte. Natürlich wusste er, wann sein Kind spielt und er war auch rechtzeitig vor Spielbeginn da. Natürlich wusste er auch, dass die Kinder bei ihrem Team sind und keine Zeit für sentimentale Begegnungen mit ihrem Papa oder ihrer Mama haben. Darum geht es ja auch nicht, der Papa will seinen Sohn anfeuern und sehen, wie er spielt. Das Interesse an ihren Kindern teilen alle auf dem Platz. In der Jugend kommen noch keine Fans. Es sind die Eltern die die Zuschauer ausmachen.

Oder letztes Jahr im Herbst, der Vater, der zum Laternebasteln in den Kindergarten kam. Klar wollte er mitmachen und mit basteln. Es wird ja auch immer wieder dazu aufgerufen, dass die Eltern möglichst zahlreich erscheinen sollen. Man hört auch überall, dass kaum Väter mitmachen.

Jetzt stehen wieder die Sommerfeste an, d.h. Väter haben wieder die Möglichkeit, sich im Schul- und Kindergartenleben einzubringen. Jedoch machen viele Väter bitterböse Erfahrungen. Ihnen wird vorgeworfen, sie würden sich Umgang mit dem Kind erschleichen, wobei das Wort "erschleichen" schon völlig absurd ist. Denn die Väter, die bei uns Beratung suchen, wollen sich nichts erschleichen. Sie stehe offen und ehrlich dazu, dass sie jede Gelegenheit nutzen möchten, um ihrem Kind nahe zu sein. Das ist ja auch natürlich und ein Vater, der nicht so empfinden würde, wäre wohl ein merkwürdiger Vater.

Hat man jedoch einmal die Erfahrung gemacht, wie bitterböse man hinterher beschossen wird, wenn man sich auf den Trubel in Kindergarten und Grundschule einlässt, dann wird man scheu und traut sich möglicherweise nicht mehr, auf einem Sommerfest oder Bastelnachmittag aufzutauchen. Man wird plötzlich sensibel dafür, dass der Kindergarten zwar einen Großelterntag veranstaltet, aber keinen Papatag. Wenn man vorher darüber hinweg gegangen ist, dass die Kinder nur zum Muttertag etwas basteln, reagiert man plötzlich empfindlich darauf, dass die Kinder nicht angehalten werden, etwas für den Vatertag zu basteln. Eine Kindergärtnerin sagte mir mal schnippisch ins Gesicht, dass sie für den Vatertag nie etwas basteln, das sei nicht vorgesehen.

Unser Verein könnte hier eine väterfreundlichere Wirkung erzielen. Denn wenn sich ein Papa schämt, auf dem Sommerfest des eigenen Kindes aufzutauchen, dann spricht doch nichts dagegen, das Sommerfest eines anderen Kindergartens oder einer anderen Schule zu nutzen, um sich dort einzubringen. Als Angebot des Vereins Väteraufbruch für Kinder Kreisverein Köln e.V. könnte sich so jeder Papa, der mitwirken möchte, die Kindergarten- und Schulwelt väterfreundlicher zu gestalten, auf einem neutralen Weg einbringen.

Wir haben sämtliche E-Mail Adressen der Kölner Kindergärten und Grundschulen und ich wäre auch bereit, ein entsprechendes Angebot zu verbreiten, wenn sich Väter finden, die mitmachen. Der Väteraufbruch hilft Ihnen, Ihr Sommerfest auszurichten - ehrenamtlich und mildtätig. Das wäre eine Win-Win-Situation. Kindergärten und Grundschulen hätten die Möglichkeit, den Vätern eine Lobby anzubieten und wir hätten eine niederschwellige Möglichkeit für Väter, den Kontakt zu uns zu suchen. Kindergärten und Grundschulen hätten die Möglichkeit, Väter, die sich in einer schwierigen Situation befinden, an uns weiter zu leiten, und wir würden unseren Verein bekannt machen. Ideal wäre es, wenn sich daraus eine proaktive Zusammenarbeit mit Kindergärten und Schulen ergeben würde, von der langfristig alle Beteiligten profitieren.

Auf dem Sommerfest ist es natürlich nicht erwünscht, eine hitzige Debatte über das Wechselmodell oder das gemeinsame Sorgerecht zu entfachen. Einzelfallprobleme sollten daher zu einem gesonderten Termin besprochen werden. Sollte es also bei einem Sommerfest zu konkreten Hilfeanfragen kommen, so kann derjenige auf unser Beratungsangebot verwiesen werden. Unsere ersten Ansprechpartner in der Beratung kümmern sich gerne um die Väter.

Ich würde mich freuen, wenn sich möglichst viele Väter und gerne auch Mütter für dieses Angebot interessieren. Wen das Angebot anspricht, der kann sich per E-Mail an koeln@vafk.de wenden oder das Kontaktformular ausfüllen.