Im Bundestag vertretene Parteien sind für Männer nicht wählbar – VafK Köln im Interview mit FDP Bundesvorsitzender Suding

Berlin/ Köln. Parteien sind für Männer nicht wählbar, so lautet eine Pressemitteilung der Interessengemeinschaft Jungen, Männer und Väter, die am kommenden Montag herausgegeben wird.

 

Die Interessengemeinschaft Jungen, Männer und Väter (IG-JMV) stellt fest: „Die im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien sind für Männer nicht wählbar“, so ihr Sprecher Gerd Riedmeier. Der Verband wertete die Wahlprogramme der Parteien aus und bedauert: „Die Bedürfnisse von Jungen, Männern und Vätern kommen in ihnen nicht vor.“ und lädt ein zum Pressegespräch am Montag, 04.09.2017 um 12 Uhr im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin.

Zum gleichen Ergebnis kommt der Väteraufbruch für Kinder e.V. "Den Blickwinkel erweitern – Familie besteht auch nach einer Trennung in zwei Haushalten fort", titelt der größte Väterverein Deutschlands mit 4000 Mitgliedern in seiner Pressemitteilung vom 26. August 2017. Für Familien nach der Trennung fehlen bei den meisten Parteien klare Aussagen und Konzepte, wie man es zukünftig besser machen könnte, kritisiert der Väteraufbruch für Kinder e.V.

So hätten alle Parteien bisher keine wirksamen Konzepte, um einer Entfremdung von Eltern und Kindern vorzubeugen oder aber hochstrittige Verfahren wirkungsvoll zu deeskalieren. Hier herrsche oftmals noch das „Prinzip Hoffnung“ vor, welches sich in der Praxis der letzten Jahrzehnte nicht bewährt hat. Alle Parteien hätten hier noch deutlichen Nachholbedarf, es bestehe ganz offensichtlich Unkenntnis oder Ratlosigkeit, wie man solch hochstrittigen Eltern begegnen soll.

Der Europarat hatte am 2. Oktober 2015 die Resolution 2079 verabschiedet und fordert damit alle Mitgliedsstaaten auf, dem Wechselmodell Vorrang zu geben. Die einzige Partei in Deutschland, die bereit ist, dieser Resolution Folge zu leisten, ist die FDP. Unser 1. Vorsitzender Hartmut Wolters hat die stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende und Sprecherin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend der FDP Katja Suding befragt.

Wolters: Frau Suding, in wenigen Wochen wird der Bundestag neu gewählt. Die Väterbewegung in Deutschland gratuliert einhellig, dass Ihre Partei die Resolution 2079 des Europarats umgesetzt hat, es macht aber stutzig, dass die im Bundestag vertretenen Parteien dieser Resolution nicht ohne Weiteres folgen möchten. Wie wichtig ist die vom Europarat empfohlene Umsetzung des Wechselmodells im Wahlkampf Ihrer Partei, welche Bedeutung wird dem zugemessen?

Suding: Wir wollen einen Paradigmenwechsel für Trennungsfamilien. Das ist mir auch unabhängig vom Wahlkampf ein persönliches Anliegen. Wir kümmern uns im Landesverband Hamburg seit Jahren darum, die Partei folgt diesem Bestreben und hat unseren Antrag beim Bundesparteitag Ende April verabschiedet und damit ins Bundestagswahlprogramm aufgenommen. Wir wollen hiermit bei den Familiengerichten für ein Umdenken sorgen. Falls sich Eltern nach Trennung oder Scheidung nicht einvernehmlich über den gewöhnlichen Aufenthalt ihrer minderjährigen Kinder einigen können, soll die Doppelresidenz Anwendung finden.

Wolters: In Nordrhein-Westfalen wurde die Berücksichtigung des Wechselmodells im Koalitionsvertrag festgeschrieben, in Schleswig-Holstein nicht. Sind die Grünen ein Bremsklotz für zeitgemäße Familienpolitik?

Suding: In allen Parteien wird das Thema diskutiert, teilweise auch sehr kontrovers. Ich finde aber, dass gerade das Bekenntnis der neuen NRW-Koalition zu einem Leitbild Wechselmodell doch ein tolles Ergebnis ist, auf dem sich aufbauen lässt. Vielleicht können wir bei den Grünen auch noch Überzeugungsarbeit leisten.
 
Wolters: Wenn sich die FDP in der Bundespolitik mit der Forderung nach dem Wechselmodell durchsetzt, was sind aus Sicht Ihrer Partei die vorrangigsten Themen, die damit verbunden behandelt werden müssen?

Suding: Klar ist: Wir wollen eine Politik, die den Menschen nichts vorschreibt. Wer eigenverantwortlich gute Lösungen für die Zeit nach der Trennung findet, soll darin unterstützt werden. Können sich Eltern aber über den gewöhnlichen Aufenthalt ihrer Kinder nach einer Trennung nicht einigen, dann ist es wichtig, dass künftig die Doppelresidenz zum neuen Standard wird. Wir sind der festen Überzeugung, dass regelmäßiger Umgang mit beiden Elternteilen dem Kindeswohl am besten entspricht. Dafür wollen wir Mehrheiten finden und an der Umsetzung arbeiten.

Wolters:
Vielen Dank für das Interview.

Foto: © Olaf Heine

Quellen:

Einladung zum Pressegespräch am 04.09.2017 um 12 Uhr in Berlin
http://www.presseportal.de/pm/121966/3720809

Den Blickwinkel erweitern – Familie besteht auch nach einer Trennung in zwei Haushalten fort
https://www.vaeteraufbruch.de/index.php?id=42&tx_ttnews%5Btt_news%5D=177...

Interessengemeinschaft Jungen, Männer und Väter
http://www.ig-jungen-männer-väter.de/

#doppelresidenz2017
https://www.doppelresidenz2017.de/

Politik der Väterdiskriminierung
http://vater.franzjoerg.de/politik-der-vaeterdiskriminierung/

Residenz weicht dem Wechsel
https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/europaeisches-familienrecht-eu-...