Zeit für mehr Solidarität

Hoffmann und Hofmann heißen die beiden Vorsitzenden von DGB und IG Metall, die am 1.Mai 2016 die Ehre hatten, im deutschen Free TV ihre Ansprachen zum Tag der Arbeit zu halten. "Zeit für mehr Solidarität" ist das Motto, unter dem in allen großen Städten in Deutschland gestern die Maikundgebungen stattfanden. Reiner Hoffmann, Vorsitzender des DGB, findet, ohne harte Auseinandersetzungen hätten wir nichts erreicht. Von einem 8-Stunden-Tag und 30 Tagen Ferien könnte man auch heute noch träumen, denn freiwillig hätten die Arbeitgeber den Gewerkschaften noch nie etwas geschenkt. Was die Metallarbeitgeber sich im aktuellen Tarifstreit "da leisten", hält er für "pure Provokation", es sei "eine Unverschämtheit". Und "wer davon faselt, dass wir noch länger arbeiten, ist nicht von dieser Welt", kritisiert er Überlegungen zur Rentenreform. Zum "Missbrauch" von Werkverträgen und Leiharbeit sagt er: "Bekannt ist besonders die Schweinerei aus der Fleischindustrie, wo Kollegen aus Bulgarien zu miserablen Löhnen ewig lange schuften, das alles wird gnadenlos weiter gehen, wenn wir nicht endlich ein Gesetz gegen den Missbrauch haben." Die "Reichen und die Superreichen" bezeichnet er als "die allergrößten Drückeberger", die sich vor der Kapitalertragssteuer drücken wollen. Jörg Hofmann, Vorsitzender der IG Metall, findet es "das allerletzte, wenn sie sich davor drücken, ihren Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten".

Reiner Hoffmann unterliegt auch dem Selbstbetrug, Frauen würden 22% weniger Lohn für die gleiche Arbeit bekommen, obwohl er es eigentlich besser wissen müsste. Denn die Tarifpolitik war stets geschlechtsneutral und gleiche Arbeit wird auch seit jeher mit gleichem Lohn bezahlt. Viele Artikel in meinen vergangenen Newslettern widmeten sich dieser Lüge. Jörg Hofmann hat das Thema charmant ausgelassen. Weder von Jörg Hofmann noch von Reiner Hoffmann wurde die Elternzeit für Väter oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Männer angesprochen, in Zeiten des Wechselmodells eins der drängendsten Probleme in unserer gesellschaftlichen Entwicklung.

So hat aber Jörg Hofmann von der IG Metall zumindest Ansätze parat, die uns weiter helfen könnten. "Wir wollen Lebensqualität im Alter, Schutz vor Armut ist uns zu wenig", postuliert er zum Thema Renten. Das ist ein wichtiger Ansatz für Väter, die auch im Rentenalter Präsenz im Leben ihrer Kinder haben und für ihre Enkel da sein möchten. Uns Vätern kommt zugute, dass Jörg Hofmann erkannt hat, dass die heutigen Arbeitszeitmodelle aus dem vorigen Jahrhundert stammen und nicht mehr in unsere Gesellschaft passen. "Mehr Wahlmöglichkeiten und echte Wahlmöglichkeiten", fordert er, "denn die Zeit gehört uns, und nicht dem Arbeitgeber."

Währenddessen findet im Bundestag die Debatte über das Sexualstrafrecht statt. Frauen soll es leichter gemacht werden, einen Mann zu kriminalisieren. Frauenverbände und Fraktionschefs haben klar gefordert, dass ein Nein ein Nein ist. Damit sinkt der Anspruch auf einen Nachweis, dass überhaupt ein sexueller Übergriff stattgefunden hat, auf das Nullniveau. Acht von zehn "Tätern" würden nicht verurteilt, deswegen bräuche man die Verschärfung. Neun von zehn "Tätern" werden zu Unrecht beschuldigt, so unser Ergebnis. Aus meiner langjährigen Beratungsarbeit weiß ich, dass eine Beschuldigung des sexuellen Übergriffs - auch eine Falschbeschuldigung - ein Garant für die Vernichtung einer männlichen Existenz ist. Entpuppt sich das vermeintliche Opfer wegen Falschbeschuldigung zur Täterin, drohen ihr keine Konsequenzen. Wie sagt Rainer Hoffmann so schön: "das machen wir nicht mehr mit, das muss sich ändern. Wir sind nicht mehr bereit, das hinzunehmen!"

Die Gewerkschaften haben zum diesjährigen Tag der Arbeit das Motto „Zeit für mehr Solidarität“ ausgegeben. Das Motto passt hervorragend auf unsere Demo. Väter in Deutschland sind noch immer Einzelkämpfer, die sich mühsam Sorgerecht und Umgangsrecht erkämpfen müssen. Ohne die Väter, die bereit waren, bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu gehen, hätten wir heute nichts. Es gäbe kein gemeinsames Sorgerecht und der Umgang mit dem Kind wäre auch heute noch unter die Willkür der Mutter gestellt. Wir wollen Lebensqualität im Kontakt zu unseren Kindern; ein bloßer Schutz vor dem Kontaktabbruch ist uns zu wenig. Es ist das allerletzte, wie Mütter sich davor drücken, ihren Beitrag zum Gemeinwohl im Interesse der Kinder zu leisten. Vielfach wird behauptet, zunehmend seien auch Mütter von Entfremdung betroffen. Das stimmt nicht. Während in den 70er Jahren noch 12% der Alleinerziehenden männlich waren, sind es heute nur noch 5%. Die Emanzipationsbewegung hat paradoxerweise dazu geführt, dass Väter immer weniger Verantwortung für ihre Kinder übernehmen dürfen.

Auch wir Väter müssen uns solidarisieren. Dazu müssen wir miteinander reden, bereit sein, uns zu begegnen und uns gegenseitig zu unterstützen. Bei aller Vielfalt um Ansichten von gelungener Vaterschaft müssen wir uns gegenseitig respektieren und einander wertschätzen. Denn nur wenn wir es schaffen, einander wertzuschätzen, schaffen wir es auch, Vater und Mutter an einen Tisch zu bringen und sich gegenseitig wertzuschätzen. Deswegen laden wir alle Vereine und Gewerkschaftsfunktionäre sowie jeden Bürger und jede Bürgerin ein, die bereit sind, Solidarität zu zeigen.