Das Logo des Väteraufbruch für Kinder Kreisverein Köln e.V.

Beratung für Eltern bei Problemen mit Sorgerecht, Umgangsrecht, Jugendamt

Jetzt anmelden: Vatertagswanderung am 30.05.2019
Mit Kind und Kegel an die Sieg ;-)
Workshop am 01.06.2019
Verfahrensrecht an Beispielen zum Umgangsrecht
Aktivitäten
Werde aktiv

Berlin, 13.02.2019 - Von Christian Peters

Am 13.02.2019 gab es eine Ausschusssitzung zum Thema Wechselmodell im Paul-Löbe-Haus.

Das ist das Gebäude auf der linken Seite, vom Deutschen Bundestag aus gesehen. Der Antragsteller war die FDP, einen Gegenantrag stellte Die Linke. Es gab zwei angeordnete Tischkreise. Im Inneren saßen die eingeladenen Experten. Im zweiten Kreis außen saßen die Politiker. Oben saßen die Zuhörer. Es waren neun Experten, ein dutzend Politiker anwesend. Die Ränge für die Besucher waren komplett belegt. In der Mitte, unter der Decke war ein Anzeigenwürfel, auf dem die Redezeit angezeigt wurde. Zuerst gaben die Experten in einer bestimmten Redezeit ihr Statement zum Thema ab. Dann gab es drei Fragerunden von den Politikern an die Experten. Die Politiker wendeten sich mit ihren Fragen nicht allgemein an die Experten, sondern direkt an bestimmte Personen. Neben den Statements, die die Experten gegeben haben, sind also hier die Beantwortung der Fragen der Politiker angegeben. Es war eine Anhörung, keine Diskussionsrunde. Hier sind die Antworten der eingeladenen Experten:

Frau Becker, Arbeitsgemeinschaft Familienrecht im Deutschen Anwaltverein e.V.:

Es gibt ein Reformbedarf. Die Eigenverantwortung der Eltern muss gestärkt werden. Mediation sollte für finanziell schwache Eltern gestärkt werden. Es muss erstmal festgestellt werden, ob es einen Mehrbedarf für das Wechselmodell gibt.

 

Frau Hoheisel, Verband alleinerziehender Mütter und Väter, Bundesverband e.V. (VAMV):

Der FDP-Antrag sorgt für schlechtere Bedingungen für die Kinder. Die Situation ist noch nicht abgeschlossen und deswegen nicht aussagefähig. Wir haben unterschiedliche Modelle. Und das beste Modell ist das, was dem Kind guttut. Es muss um das Kind gehen und geschaut werden, was das beste für das Kind ist. Die Gleichstellung muss bereits vor der Trennung beginnen. Und da ist die Regierung gefragt. Änderung im Steuerrecht, Arbeitsrecht. Durch das Wechselmodell lösen sich nicht die Probleme am Arbeitsmarkt. Und es gibt beim Wechselmodell die ökonomischen Probleme. Es ist für Kinder teuer in zwei Haushalten zu leben. Wir fordern für die Kinder einen finanziellen Mehrbedarf, damit die Finanzierung bei diesen Kindern gedeckt ist.

 

Frau Prof. Dr. Anja Kannegießer, Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V.:

Ein Wechselmodell beginnt bereits vor der Trennung, nicht nach der Trennung. Es ist fraglich, ob das Wechselmodell auf das deutsche Familienrecht übertragen werden kann, an die individuelle Anpassung an die Familie. Es muss geschaut werden, welches Modell das Adäquate ist. Das Wechselmodell ist ein Experiment. Das Anwenden des Wechselmodells, auch gegen den Willen, sollte freiwillig sein. Es ist ein Experiment. In Deutschland ist eine andere Situation, wie in Schweden, gelobtes Land.

 

Herr Dr. Heinz Kindler, Diplom Psychologe, Deutsches Jugendinstitut e.V., München:

Das Wechselmodell wird vielmehr nachgefragt werden. Es gibt gute empirische Gründe dazu. Es gibt keine Gründe, es als Regelfall anzuwenden. Es ist nicht so, wie von der FDP angesprochen, dass das Wechselmodell auf alle Familien anzuwenden ist. Eine Studie ist keine Studie. Wir müssen uns viele, viele Studien anschauen, die das Kindeswohl betrifft.

 

Herr Josef Linsler, Pressesprecher Interessenverband Unterhalt und Familienrecht ISUV e.V.:

Unsere Erfahrung ist zwölf Jahre alt. Wir setzen uns mit dem Wechselmodell auseinander. Wir wollen eine Agenda vorstellen, unabhängig vom Wechselmodell, die den Reformbedarf möglich macht. Der Paragraf 1671 muss geändert werden. Es sollten Alternativen geben, unter anderem das Wechselmodell. Die Eltern finden ihre eigenen Lösungen und strittige Fälle sind mit dem Wechselmodell auch nicht gemeint. Das Wechselmodell hört doch auch gewöhnlich mit vierzehn Jahren auf. Man sollte die Debatte nicht zu negativ sehen. Mit fünfzehn gelten andere Regeln. Mediation- dabei geht es nicht um den Fachmann. Man hat Vertrauen zu dem Mediator. Und wenn nicht, dann nicht. Finanziell: Was wird verdient, was nicht und dann handelt man danach. Die Menschen muss man in ihrer Existenzangst abholen. Da hilft auch kein Psychologe. Ja, es liegt auch an unserem System, das sehr strittig ist. Man muss mit dem Unglück der Trennung leben können. Und dafür muss man Vertrauen bekommen müssen.

 

Frau Brigitte Meyer-Wehage, Vorsitzende der Kommission für Zivil-, Familien- und Erbrecht, Recht anderer Lebensgemeinschaften im Deutschen Juristinnenbund e.V.:

Das Wechselmodell ist verfassungsrechtlich bedenklich und sollte nicht Regelfall sein. Es ist ein Unterschied zwischen Statusregelungen und den Ausübungen. Das Wechselmodell ist einem freigestellt, wenn die Eltern finanziell unabhängig sind. Das Residenzmodell wird nicht im Sorgerecht abgebildet und steht nur im Zusammenhang zum Thema Unterhalt im Paragraph 1606, Absatz 3.

 

Frau Prof. Dr. Hildegund Sünderhauf-Kravets, Evangelische Hochschule Nürnberg:

Das elterliche Leitbild entspricht dem gesellschaftlichem Leitbild. Die wissenschaftlichen Studien befürworten das Wechselmodell. Viele Eltern bleiben nach dem Wechselmodell in ihrer Verantwortung. Beide Eltern sind in der Erziehung ihrer Kinder verantwortlich. Die Probleme der alleinstehenden Eltern sind vom alleinigen Erziehungsmodell benachteiligt. Die empirischen Erkenntnisse sind an der Fahnenstange oben angelangt. Ich empfehle das Wechselmodell umzusetzen, die gerichtlichen Streitfälle werden zurückgehen, das zeigt sich zum Beispiel in Australien. Ein Zwangswechselmodell soll es nicht geben. Das Wechselmodell ist ein Leitbild. Kein Regelmodell. Das Wechselmodell ist im Ausland empirisch zu beobachten. Die Eltern haben auch jetzt schon die Pflicht sich zu einigen. Wenn ein Elternteil sich der Einigung sich verweigert, muss es auch Konsequenzen haben. Hochstrittigkeit ist eine Prozesstaktik und darf nicht belohnt werden. Die Bereitschaft zur Kooperation jedoch ja. Die Frage ist nicht, wer von den Eltern den Streit nach 1671 gewinnen kann. Ein Kind liebt Mama und Papa. Und wenn man dem Kind auch das Gefühl gibt, dann ist man dem Wohl des Kindes eher näher dran.

 

Frau Prof. Dr. Sabine Walper, Forschungsdirektorin Deutsches Jugendinstitut e.V., München:

Die Ungleichheit zwischen den Eltern bei der Erwerbsarbeit ist nicht gesunken, im Gegenteil. Wir sind weit von einer geschlechterneutralen Rollenverteilung entfernt. Es gibt am Wechselmodell hohe Erwartungen. Die Elternautonomomie muss weiterhin gestärkt werden. Das Wechselmodell wechselt das Kind immer hin und her. Besser wäre das Nestmodell. Man solle es den Kindern überlassen. Gerade im ersten Jahr ist ein Elternteil eine wichtige Bezugsperson für das Kind. Es braucht gerade im ersten Lebensjahr Zeit, das Vertrauen aufzubauen.

 

Herr Mathias Zab, Fachanwalt für Familienrecht, Berlin:

Es gibt keine Notwendigkeit, das Wechselmodell gesetzlich festzuschreiben. Ich stimme der Vorrednerin (Frau Walper) zu. Es gibt keine Definition des Wechselmodells. Wie stark sind die Beziehungen zu den Eltern? Die finanzielle Situation? Auch Rechtswegen ist das Wechselmodell nicht angebracht. Warum soll das Wechselmodell, was nur von einer Minderheit umgesetzt wird, für die Allgemeinheit umgesetzt werden?

Kontakt: Christian Peters, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!