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Beratung für Eltern bei Problemen mit Sorgerecht, Umgangsrecht, Jugendamt

Auditorium der Fachtagung 2012

Der heutige Stand der Familienforschung belegt eindrucksvoll die Bedeutung der Bindung und gelebten Beziehung des Kindes zu seinen beiden Eltern.

Unübersehbar geworden ist das Faktum der Pluralisierung und Individualisierung von Familienformen und Familienentwürfen im gesellschaftlichen Lebensalltag.

Im heutigen gesellschaftlichen Geschlechterrollendiskurs steht die Auflösung tradierter Rollenstereotypen ganz oben an. Gesellschaftliches Leitbild ist heute die gleichgestellte Teilhabe von Frauen und Männern an Beruf, Familienleben, Hausarbeit und gesellschaftlicher Verantwortungsübernahme. Durch die gesellschaftlichen Leitmilieus wird in einem breiten Konsens um die verstärkte und vermehrte Teilhabe von Männern am Familienleben, der Kindererziehung, der Hausarbeit und um eine Umverteilung der Aufgabenverteilung zwischen Beruf und Familie geworben und diese gefordert.

Ideologische Rolle rückwärts in das Familienbild der 50iger Jahre des vergangenen Jahrhunderts

Gerade die Funktionsträger der sozialen, beratenden, verwaltenden und juristischen Berufe reagieren in der Trennungssituation und bei der Gestaltung von familiären Nachtrennungsverhältnissen oft geradezu reflexhaft im Sinne vergangener und tradierter Rollenklischees und Familienbilder, die zum geführten Geschlechtsrollendiskurs und zur gesellschaftlichen Wirklichkeit der heute gelebten Lebens- und Familienmodelle gar nicht passen.

Ein zweites mächtiges Stereotyp ist daneben wirksam: die Zuordnung des Kindes zu nur einem betreuenden Elternteil, bei weitgehendem Ausschluss des anderen Elternteils von alltäglicher Betreuung und Alltagsleben mit dem Kind.

Die moderne Sozialisationsforschung belegt jedoch die gleichrangige Bedeutung der Beziehung des Kindes zu Mutter und Vater für seine gesunde Entwicklung und die Wichtigkeit des durch die Dreiecksbeziehung zwischen Mutter-Vater-und Kind sich vollziehenden Triangulierungsprozesses.

Familie endet nicht mit Trennung und Scheidung

Nach systemischem Verständnis endet Familie nicht mit Trennung und Scheidung. Die Trennungsfamilie bleibt weiter Familie. Es gehört heute zu den gesicherten Erkenntnissen über Trennungskinder, dass sie dem Erhalt des Familiensystems herausragende Bedeutung beimessen. Familie hört mit dem Trennungsprozess nicht auf, sondern geht von einer Form in eine andere über.

Jan Piet de Man widmete sich vor allem der Kinderperspektive auf die elterliche Trennung und Scheidung, sowie über die belgische Rechts- und Beratungspraxis für Trennungsfamilien und die Gestaltung von Nachtrennungsverhältnissen berichten. Er schilderte eindrücklich das kindliche Zeitempfinden und empfahl Trennungskinder möglichst nicht mehr Tage vom anderen Elternteil zu trennen als sie Jahre alt sind. Ebenso stellte er dar, dass die Doppelresidenz in Belgien konfliktdeeskalierende Wirkung nachgewiesen wurde.

Prof. Dr. Hildegund Sünderhauf gab einen gründlichen Überblick über den Stand der internationalen Forschung zum Aufwachsen von Kindern in elterlicher Doppelresidenz, sowohl im Hinblick auf die Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung, wie im Hinblick auf die positiven Perspektiven und Möglichkeiten, die sich aus einem Modell gelebter elterlicher Parität auch für die Mütter und Väter selbst ergeben.

Manfred Herrmann vom Verein „Eltern für Kinder im Revier“ beleuchtete die konflikteskalierende Wirkung der starren und undynamischen Unterscheidung zwischen betreuendem Elternteil und nicht betreuendem Elternteil, wie sie im deutschen Unterhaltsrechts in krass dichotomischer Form festgeschrieben ist und praktiziert wird.

Dr. Christoph Mandla setzte sich mit der Widersprüchlichkeit und Inkonsistenz der Argumentation der deutschen Rechtsprechung zu Doppelresidenz und elterlicher Parität auseinander, die nicht in Übereinstimmung steht zu den klaren Postulaten des Grundgesetzes und Familienrechtes zum Schutz des Familienlebens, der familiären Beziehungen aller Familienmitglieder und des Diskriminierungsverbotes. Er forderte in diesem Zusammenhang die Abschaffung des § 1671 BGB, der es Elternteilen ermögliche ohne eine Gefährdung des Kindeswohles den anderen Elternteil seiner Elternrechte aus Art. 6 Abs. GG zu berauben und Nachtrennungsfamiliensysteme zu zerschlagen.

In der abschließenden Podiumsdiskussion, an der auch die Autorinnen Petra Wagner und Ina Kiesewetter ("Eine Woche Mama, eine Woche Papa") teilnahmen, äusserte der stellvertretende Leiter des Kölner Jugendamtes Klaus Peter Völlmecke, dass der Handlungsbedarf von Seiten der Behörde erkannt wurde. Der VafK Köln forderte eine flächendeckende und regelmäßige wissenschaftliche Evaluation familiengerichtlicher Verfahren, damit Fehlentscheidungen vermieden werden können.

Prof. Dr. jur. Hildegund Sünderhauf

Wechselmodell: Aktuelles aus der Praxis und psychologische Forschungsergebnisse

Die immer populärere Alternative zum traditionellen Residenzmodell ist die abwechselnde Betreuung der Kinder, zum Beispiel im wöchentlichen Wechsel, das sog. Wechselmodell (auch paritätische Doppelresidenz genannt). Die Referentin forscht seit Jahren führend auf diesem Gebiet zwischen Psychologie und Recht.

In ihrem Vortrag stellt Prof. Dr. Sünderhauf den Stand der internationalen psychologischen Forschung zu den Auswirkungen der Betreuung im Wechselmodell auf Eltern und Kinder dar. Insbesondere
die positiven Auswirkungen auf die emotionale Bindungsentwicklung zwischen Kindern und beiden Elternteilen lassen in vielen Fällen das Wechselmodell als optimale Betreuungsform im Sinne des Kindeswohls erscheinen. Aber auch Mütter und Väter können von diesem Betreuungsarrangement deutlich profitieren. Die Referentin zeigt die Internationale Verbreitung der gemeinsamen Betreuung in der Praxis und warum das Wechselmodell auch in Deutschland boomt. Auf was Eltern und Berater(innen) in der Praxis zu achten haben, ist ebenfalls Thema des Vortrags und der späteren Diskussion.

Publikationen

  • Wechselmodell: Psychologie - Recht - Praxis, Springer Fachmedien
    2012. (In Druck, ISBN-13: 978-3531183404)
  • Elterliche Sorge in Patchworkfamilien. In: Evangelische Hochschulperspektiven:
    Familie(n) Geschichte(n), Bd. 7/2011

Internet

www.evhn.de/fh_tv_detail.html?adr_id=37

 

Jan Piet de Man

Aufenthaltsregelungen und Kindliches Zeitempfinden, Entwicklung des Sorgerechts in Belgien

Der Dipl. Kinder- und Familienpsychologe Jan Piet de Man darf wohl als „Vater“ des belgischen Sorgerechts bezeichnet werden. Er hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die paritätische Doppelresidenz im belgischen Familienrecht verankert wurde.

Publikationen

in deutscher Sprache:

Internet

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Manfred Herrmann

Das Naturrecht des Kindes auf Unterhalt – Geld allein macht nicht glücklich

Der Dipl. Physiker und Dipl. Jurist Manfred Herrmann gründete den Verein EfKiR - Eltern für Kinder im Revier e.V. in Essen. EfKiR leistet im Ruhrgebiet schon seit 1999 Selbsthilfearbeit zugunsten von Trennungskindern und deren Eltern. EfKiR ist Mitglied im „Essener Bündnis für Familie“.

Manfred Herrman zeigt auf, was „Kindesunterhalt“ tatsächlich bedeutet, wer grundsätzlich in welchen Lebenssituationen dem Kinde gegenüber in welcher Form für die Gewährung von „Unterhalt“ verantwortlich ist.

Internet

www.efkir.de